KREATIVER WAHNSINN IN DER SÄNGERHALLE

KREATIVER WAHNSINN IN DER SÄNGERHALLE – 27.5.2017 + 28.5.2017 Sängerhalle Untertürkheim -

 

„Einfach Wahnsinn!!“ … ist die völlig veraltete Beleuchtungs- und Tonanlage der Untertürkheimer Sängerhalle, die immer wieder für Holpereien bei Licht und Verstärkung sorgt. Nichtsdestotrotz gelingen spannende Musik-Theater- Aufführungen wie die des „Studio für Gesang Renate“ der Untertürkheimer Sopranistin Renate Brosch und der perfekten Begleitung durch Karl-Friedrich Schäfer – der Saal war trotz des Wahnsinns-Sommerwetters prächtig gefüllt, und der Besuch lohnte sich.

Renate Brosch hatte sich als neues Szenario für den Auftritt ihrer privaten Gesangsklasse eine äußerst vielfältige musikalische Revue in einer psychiatrischen Einrichtung ausgesucht: „Stift Agathenruh“, eine Klinik für multiple Persönlichkeitsstörungen. Als ein Opernregisseur mit Burnout eingeliefert wird, bricht der kreative Wahnsinn aus: Jürgen Ankele spielt diese Rolle höchst überzeugend, bricht mit seiner einnehmenden Tenorstimme alle Patientinnenherzen, begleitet sich ganz nebenbei selbst auf Laute und Mandoline und treibt alle noch tiefer in die Persönlichkeitsspaltung: Lilo Nusser glaubt mal, sie sei Coco Chanel und überzeugt andererseits als Wagners Erda mit tiefen Alt-Tönen.

Thilo Ederle poltert stimmlich eindrücklich mal als Millöckers Ollendorf („Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst!“), dann wieder mit Wotan-Zitaten aus „Rheingold“ und „Walküre“. Seine frustrierte Ehefrau Babette Winkelmann macht sich mit girrenden Operettentönen derweil an dem ausgebrannten Regisseur zu schaffen. Drei ausgesprochen unterschiedliche Psychiaterinnen streiten um die geeigneten Behandlungsmethoden, Sabine Hanneforth als Anstaltsleiterin rastet nachts aus und beeindruckt mit einer körperlich und stimmlich grandiosen freien Improvisation, Astrid Toennießen als strenge Diagnostikerin tritt nachts schlafwandelnd auf und verwandelt sich mit brillanten Koloraturtönen in Verdis „Gilda“ (Rigoletto).

Die Dritte im Bunde, Silvia Breiner als überempathische Therapeutin, entdeckt am Schluss ihre kleptomane Ader und legt eine umwerfende Show als Friedrich Holländers „Kleptomanin“ aufs Parkett, angeregt durch Bachtr Ahmad, der als Kleinkrimineller auf Sozialstunden mit „If I were a Rich Man“ stimmlich und schauspielerisch kräftige Überzeugungsarbeit leistet. Viel Beifall gab es für die Gärtnerin Sarah Baronner und die junge Sophia Marheineke mit Bachs Echo-Arie aus dem Weihnachtsoratorium: Heilung einer Depression durch Liebe statt Medikamente.

Auffällig war die ausgesprochen bunte Vielfalt der Gesangsnummern in unterschiedlichsten Besetzungen bis hin zum Vokalquartett (Sarah Baronner, Petra Fogel, Jürgen Ankele, Henner Bornträger). Am Schluss artet eine Gruppentherapiesitzung in eine Theaterprobe aus und bietet den Hintergrund für ein Feuerwerk an Revue-Nummern, längst tot geglaubte Schmonzetten wurden wiederbelebt (Andrea Nicht-Roth mit „Salzburger Nockerl: „Und die Musik spielt dazu“), bis sich alles in einem Flashmob mit Robbie Williams „I Love my Life“ auflöst und mit der Selbst-Entlassung der Patienten bunt und fröhlich endet. Es gab viel Beifall und glückliche Gesichter.

Hier 9 Fotos von Silvia Breiner:

https://c.gmx.net/@324904280437817979/9WiJ4NPpSr6iCA0UocAYaA

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